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Bericht über meine Reise nach Kenia vom 7.3. bis 26.3.2008: Das perfekte Timing Gottes

Die letzten beiden Jahre war ich mit Rainer Frohms und unterschiedlichen Teams in den Osterferien in Mosambik und habe dabei ein Herz für Afrika bekommen. So war mir schon im letzten Jahr klar, dass ich 2008 wieder mit nach Mosambik fahren würde. Ende Dezember teilte Rainer mir mit, dass er diesmal nach Kenia reisen würde, und ich war enttäuscht, weil ich doch gern meine Kontakte in Maputo vertiefen wollte. Einige Tage später fingen die Unruhen in Kenia an, wodurch ich verunsichert wurde, ob ich wirklich mitfahren sollte. Einerseits fragte ich mich, was ich eigentlich in Kenia will, andererseits wollte ich gern wieder nach Afrika. So ließ ich das Ganze erst mal ruhen und wartete ab. Es sollte ein Team von ca. 10 Menschen mitkommen. Ich bekam immer mehr Freude mitzufahren und sagte zu. Dann geschah das Merkwürdige, dass einige vom Team wieder absagten. Kurz vor der Reise stellte sich heraus, dass nur Rainer und seine jüngste Tochter Vivian sowie eine Freundin aus der Gemeinde (Angela) mitfahren werden. Was für eine Herausforderung, mit solch einem kleinen Team nach Kenia zu fahren. Es wurde in der Gemeinde für uns gebetet. Jemand hatte den Eindruck, dass wir dort, wo wir hingehen, viel Licht weitergeben werden, was ein Zeugnis für die finstere Welt ist, in der viele dort leben.

Nach langem Suchen hatte ich zwei Menschen gefunden, die meinen alten Hund für die Zeit aufnehmen wollten, eine Dame in Dorsten und meine Freundin in Bochum. Also brachte ich meinen Hund nach Dorsten und fuhr dann weiter in die Nähe von Amsterdam. Gott hatte es ermöglicht, dass ich mein Auto dort stehen lassen konnte und von jemandem zum Flughafen gebracht wurde. Im Nachhinein erfuhr ich, dass kurz nachdem ich Dorsten verlassen hatte, es meinem Hund sehr schlecht ging, so dass er sogar in eine Tierklinik gebracht werden musste. Wenn ich das Leiden des Hundes mitbekommen hätte, wäre ich wahrscheinlich die ganze Fahrt über besorgt um die Frau und den Hund gewesen. Aber Gottes timing war perfekt.

Der Flug nach Nairobi verlief gut und abends kamen wir in einem schönen Gästehaus an. Wir Frauen erhielten das beste Zimmer in der ganzen Anlage, die einen wunderschönen Garten hat und so richtig zum Erholen einlud.

Am nächsten Morgen besuchten uns Kay und Anne Schubert mit ihren 2 kleinen Kindern, die bereits seit 8 Jahren in Nairobi wohnen und eine sudanesische Gemeinde leiten. Wir besprachen, was alles für die nächste Woche auf dem Programm steht. Am Nachmittag gingen wir drei Frauen in die Kinderstunde der sudanesischen Gemeinde, während Rainer mit einem anderen Pastor evangelistisch tätig war. Die Kinderstunde wurde von einem kenianischen Pastor der Gemeinde, Henry, 30 Jahre alt, geleitet, und ich durfte den Kindern die Geschichte von Tom, dem Räuberjungen, erzählen. Ich fühlte mich reichlich unbeholfen, es war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Henry übersetzte mich und erläuterte zwischendrin immer mal wieder die Geschichte. Die Kinder waren sehr wissbegierig, und es war schön ihre Neugier zu sehen, wie die Geschichte denn wohl weitergeht. Danach beteten wir für die Kinder, die durch ihre Fluchtsituation viele innere Verletzungen haben. Da war ich in meinem Element und spürte, wie Gottes Liebe die Kinder berührte. Zum Schluss beteten wir auch für Henry, und er erzählte später, dass er bei diesem Gebet einen neuen Frieden erlebt hat. Er fand es nicht selbstverständlich, dass wir für ihn beteten, da Pastoren meistens kein Gebet bekommen. Deshalb war er sehr bewegt und spürte die Liebe Gottes durch uns. Das war der Moment, in dem er Vertrauen zu uns fasste. Der Sonntagsgottesdienst war vollgefüllt mit verschiedenen Beiträgen von einem Jugendchor über einen amerikanischen Juden bis zu einheimischen Pastoren. Zum Schluss durfte auch ich predigen und fühlte mich viel freier als am Tag zuvor. Wir beteten gemeinsam für jeden aus der Gemeinde. Gott hat zu vielen gesprochen, und sie öffneten ihr Herz für sein Wirken. Eine Frau weinte lange in meinen Armen. Ich bin immer wieder erfreut zu sehen, wie Gott über Sprach- und Kulturbarrieren hinweg handelt. Am Nachmittag war ich mit Kay und einem anderen Mitarbeiter aus seiner Gemeinde in einem kleinen somalischen Hauskreis. Die Somalis haben sich vom Islam zum Christentum bekehrt und werden von ihren Angehörigen verfolgt. Deshalb treffen sie sich geheim. Sie waren sehr hungrig nach Gott und wissbegierig, und wir erlebten an diesem Nachmittag, wie Gott sie in ihren Nöten ermutigte.

Die darauffolgende Woche war ausgefüllt mit Diensten in der sudanesischen Gemeinde: Besuche der christlich-sudanesischen Schulklasse, Hauskreis, Besuche beim Pastor Henry und bei Kay und Anne sowie einige persönliche und seelsorgerliche Gespräche. Bei all diesen Aktivitäten spürte ich die Gegenwart und Hilfe Gottes, denn es braucht viel Einfühlungsvermögen und Geduld, sich in die Lebens- und Denkweise der Afrikaner hineinzuversetzen. Durch die Unruhen in Kenia führte die sudanesische Gemeinde auch eine Essensverteilung durch. Rainer predigte, und wir Frauen beteten für Behinderte. Die Menschen waren sehr hungrig nach Gottes Wort und dankbar für das Gebet. Während ich für einen epileptischen jungen Mann betete, kam Henry dazu, und später haben wir beide im Austausch darüber festgestellt, dass Gottes Wirken beim gemeinsamen Gebet stärker wurde und Gott das Leben des Mannes verändert hat. Es ist schwer zu beschreiben, was an diesem Mann geschah, und dennoch ist es ein inneres Wissen, dass Gott eingegriffen hat. Ein Baby wurde von starken Belastungen freigesetzt.

In einer größeren Gemeinde in Nairobi führten wir eine dreitägige �Vaterkonferenz� durch, d.h. Rainer predigte über die Vaterliebe Gottes. Viele Kenianer haben schmerzhafte Erfahrungen mit ihrem leiblichen Vater hinter sich und finden deshalb nur schwer Zugang zum Vater im Himmel. Gott half uns, ihnen die Vaterliebe Gottes zu vermitteln, so dass sie die Botschaft der Vaterliebe aufnehmen konnten und dadurch in Kontakt zu ihren Gefühlen kamen. Viele weinten, konnten ihren Schmerz zulassen und fanden Trost in unseren Armen. Gott hatte wohl schon den Boden bereitet und die Menschen hungrig nach seiner Liebe gemacht. Wir waren sehr dankbar für diese Erfahrungen.

Nach 10 Tagen fuhren wir nach Nakuru, eine Stadt ca. 200 km nordwestlich von Nairobi. Rainer nahm einen 28-jährigen Kenianer (Dennis) mit heinein in unser Team, mit dem er schon vor 2 Jahren zusammengearbeitet hatte. Er war uns eine gute Hilfe beim Übersetzen. Da er viel Schlimmes erlebt hatte, war er sehr verschlossen und misstrauisch. Er konnte wie schon viele andere Menschen Vertrauen zu mir fassen, und zum Abschied sagte er, dass er mir mehr aus seinem Leben erzählt hat als anderen. Das zeigt mir wieder neu, dass Gott mir sogar in Afrika die Begabung schenkt, seelsorgerliche Gespräche zu führen. In Nakuru wohnten wir in einem schönen Haus, das z.Zt. von einer Engländerin bewohnt wird, die den Bau eines Waisenhauses mit beaufsichtigt, das von einer englischen Gemeinde finanziert wird. Auch hier in Nakuru führten wir Vaterkonferenzen durch und erlebten wieder, wie die Menschen sich nach dem Erfülltwerden durch die Vaterliebe Gottes ausstreckten.

Am letzten Tag meines Aufenthaltes in Nakuru (4 Stunden vor meiner Abfahrt wurde es mir ermöglicht, eine Sonderschule für Körper- und Geistigbehinderte zu besuchen. Solche Schulen sind in Kenia eine Seltenheit, denn behinderte Kinder werden dort von ihren Angehörigen versteckt und vernachlässigt, damit die Schande nicht ans Licht kommt. Bisher werden dort drei Klassen unterrichtet. Der Rektor hat eine besondere Last auf seinem Herzen, nämlich ein Internat für 100 Kinder zu bauen und Kinder aus den Elternhäusern dorthin zu bringen, um ihnen eine angemessene Bildung zu ermöglichen. Während des Gesprächs über die Finanzierung dieses Baus hatte ich den Gedanken, wie schön es doch wäre, ihn nach Hannover in meine Schule einzuladen. Ich sprach später mit meiner Rektorin darüber, und sie stimmte diesem Vorschlag zu. So kommt er vom 6.6. bis 20.6. nach Hannover, wohnt bei mir, und wir gestalten in der Schule ein Projekt über Kenia zusammen. Das erfreut mich sehr, und ich bin schon gespannt, was aus diesem Kontakt wird. Auch hier zeigte sich wieder das perfekte Timing Gottes.

Während meines gesamten Aufenthaltes in Nakuru stand mir Henry bildlich vor Augen. Am Anfang dachte ich noch, dass ich Schwierigkeiten habe, mich auf die neue Situation in Nakuru einzulassen, doch mit der Zeit merkte ich, dass es Gottes Geist war, der zu mir reden wollte. Es hat etwas gedauert, bis ich erkannte, dass Gott eine besondere Beziehung zwischen Henry, seiner Frau Monicah und mir bauen will. Meine Fantasie ist zu begrenzt, sich auszudenken, was genau Gott da zubereitet, vor allem auf die weite Entfernung, die zwischen uns liegt. Ich habe dann dort die Entscheidung getroffen, nicht meinem Verstand zu folgen, sondern Gottes Wirken zuzulassen und war bereit, auf seine Stimme zu hören. Von Nakuru aus schrieb ich Henry eine SMS, in der ich ausdrückte, dass ich auf Gott warte, um herauszufinden, was er uns sagen möchte. Bis zu meiner Abfahrt von Nakuru hatte ich keine konkrete Antwort, so dass ich davon ausging, dass wir gemeinsam auf Gottes Reden warten würden. Rainer hatte mir den Tipp gegeben, Henry und Monicah ins Gästehaus einzuladen, um dann abends ausgiebig mit ihnen Gemeinschaft haben zu können. Am Dienstag, 25.3. fuhr ich nachmittags mit Dennis nach Nairobi, weil ich am 26.3. von dort nach Hause fliegen musste. Wir trafen uns zu viert abends im Gästehaus und tauschten erst mal aus, was Gott in den letzten Tagen alles getan hatte. Es war erstaunlich, wieviel da zusammenkam: Henry hatte einen Traum gehabt, in dem er sah, dass wir 4 mit anderen Menschen als ein Team Evangelisationen durchführen werden. Dennis hatte mich vor einer riesigen Menschenversammlung gesehen. Ein Engel stand neben mir und gab mir Geschenke, die ich an einzelne herausgerufene Menschen weitergab, wie bei einer Schulabschlussfeier. Ich hatte während der letzten Woche immer mehr erkannt, wie sehr Gott Henry und Monicah liebt und dass er sie zu einem besonderen Dienst berufen hat. Das alles ergab schon ein herausforderndes Ganzes, und wir waren durch Gottes Wirken sehr angesprochen. Wir vier gaben uns an diesem Abend ganz in Gottes Hand. Sein Friede und seine Heiligkeit waren greifbar anwesend. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, so weit von zu Hause in einem Team mit ihnen in Afrika zusammenzuarbeiten, gab Gott aber die Erlaubnis, nach seinem Willen mit mir zu handeln. Mit diesem tiefen Frieden Gottes und der Zuversicht, dass er seinen Willen offenbaren wird, flog ich zurück nach Deutschland. Seitdem reift in mir immer mehr die Gewissheit, dass wir zu einem Team zusammenwachsen werden. Was mich sehr begeistert, ist, dass Henry und Dennis in einem kontinuierlichen e-mail Kontakt mit mir stehen, auch von sich aus immer wieder den Kontakt suchen und für mich beten, so dass wir uns trotz Entfernung schon etwas besser kennenlernen konnten. Es ist für mich auch ein besonderes Geschenk, ihre Liebe und Annahme zu erleben.

Anfang Mai war ich auf einer christlichen Konferenz in Holland, und ich traute meinen Ohren und Augen nicht. Es war dort ein Prediger aus Kenia. Ich hatte den Wunsch, dass er für mich betet, damit ich besser erkennen kann, was Gott genau für mich in Kenia vorhat. Es klappte tatsächlich, er salbte mich mit Öl, und ich spürte, dass mir neue Möglichkeiten eröffnet werden, nach Kenia zu kommen. Das ermutigte mich sehr. Nun bin ich natürlich sehr gespannt, was geschehen wird.

Als erster Schritt in diese Richtung geschah es, dass meine Hündin am 25.4. abends eine Magenverdrehung bekam und sofort eingeschläfert werden musste. Ich war geschockt, weil es so plötzlich und unvorhergesehen passierte und bin dabei, mich auf ein Leben ohne Hund umzustellen. Das ist nicht leicht, denn sie war fast 16 Jahre lang mein treuer Begleiter.

Zukunftspläne: Vom 6.6. bis 20.6 kommt der kenianische Sonderschulrektor James zu mir und in die Schule.

Vom ca. 14.7. bis 29.7. werde ich mit einer anderen Sonderschullehrerin nach Nairobi und Nakuru fahren, um Henry, Monicah, Dennis und James besser kennenzulernen und ein Seminar über das Thema Braut Christi durchzuführen.

Vielleicht ermöglicht Gott es, beim Aufbau dieser Sonderschule mitzuwirken. Ich halte meine Augen und Ohren (auch die geistlichen) offen, um den Willen Gottes zu erkennen.

So, nun habt Ihr einen langen Bericht bekommen und seid wahrscheinlich genau wie ich sehr überrascht. Ich kann nur sagen, Gott hat wirklich Überraschungen parat. Seid gesegnet mit dem Frieden Gottes und Offenheit, Neues zu empfangen.


Viele Grüße von Marie-Luise

Report about my journey to Kenya in englisch



Bericht in englisch